Geschichtsträchtige Städte: Nara & Uji

Sodeli, hier kommt schon die Zusammenfassung der letzten Etappe dieser Japan-Reise. Achtung: es wird wieder von UNESCO Weltkulturerbe-Bauten wimmeln! Ihr seid also gewarnt 😉

Nara war vor etwas mehr als 1300 Jahren die Hauptstadt Japans. Viele der grossen Tempelanlagen sind in dieser Zeit entstanden, wobei viele der Gebäude diversen Bränden zum Opfer fielen und daher wieder aufgebaut werden mussten.

Nebst den Tempeln und Schreinen ist Nara besonders auch wegen der vielen im Nara Park frei herumlaufenden Sikahirschen bekannt. Senbei-Cracker können hier an jeder Ecke gekauft werden, um die geschützten Tiere zu füttern.

Auf meinem Bummel durch die Stadt sind mir viele Kinder in Kimono resp. Hakama aufgefallen. Ob in Nara verfrüht das „Shichi-Go-San“-Fest gefeiert wird? Dieses Kinderfest findet meines Wissens normalerweise Mitte November statt; die sieben, fünf und drei Jahre alten Mädchen und Jungs werden fein herausgeputzt und von ihren Eltern und Verwandten zum Schrein begleitet, wo man für das bisherige Glück dankt und für die zukünftige Gesundheit betet. Was immer da gefeiert wurde, die Kleinen waren zum Knuddeln herzig 🙂

Uji ist DIE Stadt des Grüntees, und zwar in allen nur erdenklichen Varianten. Auch hier gibt es geschichtsträchtige Bauten, und es ist der Schauplatz der letzten zehn Kapitel des „Genji Monogatari“ (die Geschichte vom Prinzen Genji), der als ältester von einer Frau geschriebenen Roman gilt.

Natürlich habe ich auch hier ein paar der alten Tempel und Schreine angeschaut und habe mich durch einige – in meinem Fall alles – Matcha-Getränke und Speisen durchprobiert. Das Genji-Museum war leider geschlossen (Montag halt); das hätte mich fast am meisten interessiert, da ich schliesslich den Roman gelesen habe.

So ihr Lieben, das war’s! Demnächst wieder live und in Person…

Hier noch die Bilder zu diesem Beitrag.

 

Kumano Kodō

Der Kumano Kodō ist ein Geflecht von Pilgerwegen auf der Kii-Halbinsel, die alle ein Ziel resp. drei Ziele haben: die drei grossen Schreine – Kumano Hongū Taisha, Kumano Nachi Taisha und den Kumano Hayatama Taisha. Letzteren habe ich mal aussen vor gelassen. – Natürlich gehört der Kumano Kodō zum Weltkulturerbe; das scheint ja schliesslich der rote Faden meiner Reise zu sein, was aber echt nicht so geplant war.

Item, ich habe mich für die Nakahechi-Route von Takijiri-oji via den Kumano Hongū Taisha zum Kumano Nachi Taisha entschieden. Die etwas mehr als 70 km habe ich in vier Etappen unterteilt (es soll schliesslich noch Zeit zum Fötelen bleiben).

Obwohl offenbar Hauptsaison ist, habe ich nicht sehr viel davon gemerkt. Meistens war ich alleine auf dem 1000-Jahre alten Pfad unterwegs, was mir nur recht war. Wie sich herausstellte, nutzen viele die Möglichkeit, gewisse Teilstücke mit dem Bus zurückzulegen.

Es gibt so Einiges, das mir untervergesslich bleiben wird:

  • Der erste Wandertag durch den Nebelschleier-verhangenen Wald und die Begegnung mit der japanischen Serow-Antilope (vergleichbar mit einer Gämse oder Bergziege). Wir beäugten uns gegenseitig eine Weile und gingen dann jeweils unseres Weges (also ich ging, das Serau knabberte weiter an Kräutern rum)
  • Überhaupt die vielen Tiere unterwegs: orangen Krebsli, die so was von auffällig sind im dunkelgrünen Wald; die Makaken-Familie, die genüsslich Kaki-schmatzend im Baum sass; Schlangen in allen Grössen und Farben, Eidechsen und Eichhörnchen
  • Das Bewusstsein, dass schon seit 1000 Jahren Menschen diesen Weg vor mir gegangen sind.
  • Der alte, über weite Strecken mit Steinen ausgelegte Weg, der so wunderschön ist, aber bei nassem Verhältnissen doch recht anspruchsvoll werden kann (ich kann mich aber loben; bin kein einziges Mal auf dem Allerwertesten gelandet)
  • Die Aussichtspunkte mit einem herrlichen Ausblick auf die bewaldeten Berge von Wakayama
  • Verlassene Teehäuser und Siedlungen entlang des Weges, die der Wald zurückerobert hat
  • Die spannenden Unterhaltungen mit anderen „Pilgern“ beim Abendessen
  • Abends jeweils im Onsen zu liegen bis die Haut ganz rot ist und die Glieder entspannt sind
  • Die Futon-Nächte, die sich inzwischen recht normal anfühlen
  • Das gute und stolze Gefühl bei der Ankunft beim Kumano Hongū Taisha nach zwei Wandertagen und beim Kumano Nachi Taisha am Nachmittag des vierten Tages
  • Aber eigentlich allem voran: die Offenheit und Gastfreundlichkeit der lokalen Bevölkerung entlang des Weges; die lachenden Gesichter, die anerkennenden und ermunternden Worte waren einfach Gold wert

So, genug der Worte! Hier wie immer ein paar Bilder.

Shirahama – mehr als nur weisser Strand

In Shirahama, was so viel wie weisser Strand heisst, gibt es mehr als nur weissen Sand. Nochmals als entspannenden Aufenthalt vor der mehrtägigen Wandertour, wollte ich diesen Ort insbesondere wegen der interessanten Felsformationen Senjō-jiki (Tausend Tatami-Matten),  Sandanbeki (drei-stufige Klippen) und der Engetsu (runder Mond) Insel besuchen. Ich muss gestehen, dass ich Stunden auf Senjō-jiki verbracht habe (und mir einmal mehr eine rote Nase eingeheimst habe); der geschichtete und zum Teil vom Wasser ausgehöhlte Sandstein hatte solch tolle Strukturen, die es einfach zu entdecken galt 🙂

Natürlich habe ich auch Zeit am Strand verbracht. In der Bildergalerie müsst ihr ein paar Sonnenuntergangsbilder über euch ergehen lassen 😉

Interessant an Shirahama ist auch, dass der weisse Sand inzwischen von Australien eingeflogen wird, da das Meer nach und nach den Strand zurückerobert respektive wegspült.

Ausserdem gilt Shirahama bereits seit hunderten von Jahren als DER Onsen-Ort. Die Onsen habe ich hier ausgelassen – von denen würde ich noch genug geniessen können. Die vielen Fussonsen jedoch, habe ich rege genutzt. Gibt es doch nichts Entspannenderes, als nach dem vielen „Rumgetschalpe“ die Füsse ins heisse Wasser zu tauchen (und das Wasser aus den heissen Quellen kann also ganz schön „warm“ sein).

Ein buddhistisches Wochenende auf Kōya-san

Sozusagen als Einstieg und kleiner Vorgeschmack auf die „Pilgertour“ im Süden von Wakayama, verbrachte ich das letzte Wochenende in den Bergen von Kōyasan respektive in dem kleinen buddhistischen Tempeldorf (im 7. Jahrhundert vom Mönch Kūkai gegründet), das dort schön eingebettet und abgeschieden vom Rest der Welt ein herrlicher Ort der Ruhe ist.

Nun ja, so ruhig ist es in dem Dorf nicht mehr. Seitdem es vor mehr als zehn Jahren von der UNESCO als Weltkulturerbe erklärt wurde, wuselt es hier von Touristen. Schön ist es aber allemal!

In einer der Tempelunterkünften (shukubō) zu übernachten, macht den Aufenthalt in Kōyasan zu einem besonderen Erlebnis. Nicht nur die schönen Tatami-Zimmer mit Futons als Schlafstätte sondern insbesondere auch die buddhistische Vegi-Mönchsküche (shōjin ryōri) haben es mir angetan.

Wie schon bei meinem ersten Aufenthalt in Kōyasan vor sechs Jahren, zeigte sich das Wetter auch dieses Mal eher von der wolkigen bis regnerischen Seite. Die Tempel, Pagoden und Tore wirkten aber auch so beeindruckend. Und der Spaziergang durch die im Wald gelegene Totenstadt mit den vielen Grabstätten bekannter Leute aus Japans Geschichte, aber auch von einfachen Leuten, war umso mystischer (man stelle sich das bei Sonnenschein vor; pha, das wäre ja nur halb so gruselig). Der Weg durch diese Anlage (Oku-no-in) führt zum Mausoleum von Kūkai, der übrigens nicht gestorben ist sondern in der ewigen Meditation verweilt.

Spannend war auch die Unterhaltung mit einem japanischen Biologen, der nebst seiner doch eher rationalen Arbeit die Spiritualität sucht und sich deshalb in einem Fernstudium von einem Kōyasan-Gelehrten unterrichten lässt. Am letzten Wochenende war besagter Biologe gerade für einen der wenigen Onsite-Kurse auf Kōyasan.

Sodeli, und hier sind ein paar Bilder.

Fuji im Wolkenkleid

Auf dem Weg Richtung Süden habe ich heute einen Zwischenhalt in Shizuoka eingelegt. Und das auch nur, damit bei all den Bergen auch mal ein Tag am Strand drin liegt (bin hier ja bekanntlich auf einer Insel).

Aber ganz ohne Berg im Hinterkopf bin ich natürlich nicht hierher gekommen. Die Stadt verspricht eine ganz tolle Sicht vom Strand aus auf den Fuji. „Ha, da bin ich aber mal gespannt! Der hüllt sich ja eh immer in sein Wolkenkleid,“ dachte ich mir. Und das war selbstverständlich auch heute so. Aber ein bisschen hat er ganz scheu hervorgeguckt. Mich freut’s 🙂

Die vielen Strandbilder erspare ich euch an dieser Stelle.

Aber als kleiner Schwelg-Erinnerungsmoment; so sah vor sechs Jahren Fujis Wolkenkleid um 5 Uhr früh von Oben aus:

Sonnenaufgang vom Fuji

Sonnenaufgang vom Fuji

Auf der Suche nach dem Herbst

Bisher fühlte sich mein Japanaufenthalt so gar nicht nach Herbst an. Für einmal fehlt zwar die drückend-schwüle Hitze stattdessen haben wir hier angenehme 20 – 25°C; richtiges T-Shirt-Wetter. Ja aber wo ist der Herbst?

Im Oze-Nationalpark habe ich ihn gefunden! In diesem herrlichen Naturschutzgebiet ist die Hauptsaison zwar schon vorbei – die schönsten Farben zeigen sich hier bereits im September – einige Farbkleckse habe ich aber noch entdeckt; rot-oranger Ahorn, gelbe Birken- und Nadelbäume. Die Gräser des riesigen Sumpfgebiets haben sich von einem satten Grün in ein dürres Gelb-Braun verfärbt. Was auf den ersten Blick wie eine dürre Landschaft aussieht, ist in Wirklichkeit eine matschig-nasse Sumpflandschaft im Herbstkleid.

Dass hier bereits das Ende der Saison ist, merkt man an den relativ wenigen Besuchern und den vielen geschlossenen Hütten. Nicht selten hat es hier zu dieser Jahreszeit bereits Schnee. Eine Nacht habe ich in einer der noch wenigen offenen Hütten verbracht. Statt des erwarteten Massenschlags war meine Bleibe ein 4.5-Tatami grosses Zimmer – ohne Heizung! Das war in der Nacht dann doch eine kleine Herausforderung. Schlussendlich bin ich bis zum Kinn unter der Decke vergraben und mit Stirnband auf dem viel zu dünnen Futon eingeschlafen.

Tagwache war um 5.30 Uhr – was nicht weiter schlimm war, da die Lichter bereits um 21 Uhr gelöscht wurden. Die Morgenstimmung – Nebelschwaden über dem Sumpf, die aufgehende Sonne – waren es einfach Wert, so früh aus den Federn zu kriechen. Und das Frühstück war ohnehin für alle auf 6 Uhr angesetzt. Mit meinen drei „Tischgspönli“ vom Vorabend habe ich mich auch beim Frühstück köstlich unterhalten. Wir waren uns einig, dass Japaner viel zu viel arbeiten und dass eine Ferienkultur wie wir es in der Schweiz pflegen schon erstrebenswert wäre  😉

Eine Wanderung zum Ozenuma-See hat meinen Ausflug in diesen sehr empfehlenswerten Nationalpark abgerundet.

Voilà, hier geht’s zur Bildergalerie. Dewa, mata ne.

 

Glücksbringer in Takasaki

Diese Galerie enthält 7 Fotos.

Sodeli, nach drei Jahren ist es mal wieder an der Zeit, diesen Blog zu reaktivieren. Dieses Mal startet die Reise von Tokyo aus Richtung Norden, genauer gesagt nach Takasaki in der Präfektur Gunma. Mit dem Shinkansen dauert die Reise gerade mal 50 Minuten. Takasaki ist die Geburtsstadt der Daruma-Glücksbringer. Diese roten Figuren mit Kranich-Augenbrauen und einem Schildkrötenbart sind beim […]